Potsdam, 5. Mai 2021

Pflegekräfte sind das Rückgrat des Gesundheitswesens. Durch die seit über einem Jahr andauernde Pandemie ist diese Berufsgruppe an die Grenze ihrer Belastungen gekommen. Nicht nur in Potsdam und Brandenburg, sondern deutschlandweit.

„Gerade in der Pandemie haben unsere Mitarbeitenden gezeigt, zu welchen besonderen Leistungen sie fähig sind. Sie haben flexibel, patientenorientiert und professionell diese Krisensituation gemeistert – und stellen sich ihr auch weiterhin. Das ist mehr als bemerkenswert.“, so Hans-Ulrich Schmidt, Sprecher der Geschäftsführung des Klinikums EvB. „Und dafür können wir dankbar sein. Das bezieht sich auf alle Mitarbeitenden, aber insbesondere auf die Berufsgruppe der Pflegenden.“

Portraitfoto Hans-Ulrich Schmidt

„Dankbarkeit gilt es nun aber nicht mehr nur in wertschätzenden Worten zu übermitteln. Wir müssen nachhaltige Strategien entwickeln und messbare Taten folgen lassen.“

Hans-Ulrich Schmidt, Sprecher der Geschäftsführung des Klinikums Ernst von Bergmann

Für eine „Starke Pflege im EvB“ hat die Klinikgruppe folgenden 5-Punkte-Plan entwickelt und arbeitet bereits an der Umsetzung:

1. TVÖD als attraktiver Tarifvertrag für Pflegekräfte

Das KlinikumEvB ist eines von nur zwei Krankenhäusern in Brandenburg, das den TVÖD anwendet. Damit nimmt das KEvB eine herausragende Stellung in Brandenburg ein. Dies ist ein wichtiger Vorteil im Wettbewerb um Fachpflegekräfte in der Region. Rückwirkend zum 1.6.2020 wurden gut 1.250 Einzelverträge allein aus dem Pflege- und Funktionsdienst angepasst und in den TVöD überführt.

„Sämtliche Mitarbeitenden kommen durch die Anwendung des TVöD-K in den Genuss der zukünftigen Tarifentwicklungen auf Bundesebene. Wir als Geschäftsführung begrüßen diese Entwicklung ausdrücklich, insbesondere auch im Hinblick auf die deutschlandweit angespannte Situation der Fachkräfte“, so Hans-Ulrich Schmidt.

Weiter führt er aus: „Mit dem Beschluss der Rathauskooperation zur finanziellen Unterstützung ist auch die Möglichkeit geschaffen worden, den TVöD in der Klinikgruppe Ernst von Bergmann wirtschaftlich abgesichert umsetzen zu können. Das ist ein entscheidendes Signal an die Mitarbeitenden und auch potentielle Bewerber.“

2. Zukunftswerkstatt Pflege -Verbesserung der Arbeitsbedingungen/Mitarbeitendenzufriedenheit

Initiiert durch die Klinikleitung bot die „Zukunftswerkstatt Pflege“ in einem kreativen Workshop-Rahmen die Möglichkeit des Austauschs zwischen der Personalabteilung, den Pflegekräften aus unterschiedlichen Hierarchieebenen und dem Betriebsrat. Das Ziel ist es, sich der Frage zu nähern, was unseren Pflegekräften im EvB wichtig ist im Hinblick auf Arbeitsbedingungen und Mitarbeitendenzufriedenheit – und das entwickelt von Mitarbeitenden für Mitarbeitende.

Ein Beispiel für ein bereits implementiertes Projekt:

2021 ist das Projekt Flexpool in der Pflege gestartet. Ganz knapp erklärt: der Mitarbeitende sucht sich seine Arbeitszeiten flexibel aus, dafür entscheidet das Klinikum relativ spontan, auf welcher Station er oder sie als Springer eingesetzt wird.

Portraitfoto Katrin Fromm

„Wir entwickeln gemeinsam mit unseren Pflegekräften neue Projekte und beziehen dabei ganz unterschiedliche Perspektiven mit ein. Die Mitarbeitenden beteiligen – nur so kann eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen gelingen."

Katrin Fromm, Pflegedirektorin am KlinikumEvB

3. Erheblicher Ausbau der Ausbildungskapazitäten

„Der Pflegekräftemangel betrifft uns alle. Daher ist es uns ein wichtiges Anliegen, gerade auch die Pflegeausbildung zu stärken und zu fördern. Schon seit vielen Jahren bringen unsere Mitarbeitenden viel Engagement in die Ausbildung zukünftiger Kollegen ein – das setzen wir natürlich fort.“, so Hans-Ulrich Schmidt, Sprecher der Geschäftsführung des Klinikums Ernst von Bergmann.

Seit dem 1.1.2021 bietet der Gesundheitscampus Potsdam Ausbildungsplätze in allen nicht akademischen medizinischen Fachberufen an. In diesem Verbundprojekt haben sich die Schulen der Träger Hoffbauer-Stiftung, Klinikum Ernst von Bergmann gGmbH und das Evangelische Diakonissenhaus Berlin Teltow Lehnin Ende 2019 zusammengeschlossen und die Ausbildungskapazitäten deutlich erhöht. Der Gesundheitscampus Potsdam ist eine moderne Einrichtung mit ca. 700 Ausbildungsplätzen. Durch die Bündelung von kompetenten und sehr gut qualifizierten Lehrkräften baut sie auf einen großen Erfahrungsschatz auf. Das sind somit beste Voraussetzungen für die Zukunft der Pflege und die Attraktivität der Pflegeberufe. Insgesamt wurden in der Verbundschule rund 200 zusätzliche Ausbildungsplätze für die Gesundheits- und Krankenpflege geschaffen.

„Bereits heute können sich die jungen Menschen für die neuen Klassen im Herbst 2021 bewerben. Wir bieten Ausbildungsplätze in den Bereichen generalistische Pflegeausbildung, Krankenpflegehilfe, OTA/ATA, Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter, Labor- und Radiologie-Assistenz sowie Physio-/Ergotherapie“, erklärt Katrin Fromm.

4. Intensive Personalakquise insbesondere junger Pflegekräfte

Der Bewerbungsprozess für Fachkräfte wird von der Ansprache potentieller Bewerber bis hin zur Einstellung moderner und digitaler gestaltet, und vor allem deutlich vereinfacht und verkürzt werden.

„Worüber wir uns freuen: in dieser Pandemiesituation haben wir zusätzliche Pflegekräfte einstellen können. Das deckt sich mit dem Gefühl, dass die Mitarbeitenden in diesem für uns schwierigen Jahr noch stärker als Team zusammengewachsen sind, sich gegenseitig unterstützen“, so Hans-Ulrich Schmidt. Arbeiteten in 2019 im KEvB und KWB (Potsdam) 1.090 Mitarbeitende im Pflegedienst, waren dies in 2020 mehr als 1.220 Pflegekräfte.

Zudem unterbreitet das Klinikum neben dem TVÖD Pflegekräften weitere attraktive Angebote zum Beispiel in der Aus- und Weiterbildung. So werden Fachweiterbildungen in der Pflege inzwischen zu 100% durch den Arbeitgeber – das Klinikum EvB -  finanziert. Die Mitarbeitenden werden für die Fachweiterbildung von der Arbeit freigestellt. Auch das Simulations- und Trainingszentrum bietet auf einer Fläche von 300 Quadratmetern über 14 unterschiedliche Kursformate – von der klassischen und erweiterten Reanimation über die Simulation von geburtshilflichen Notfällen bis hin zur Simulation von internistischen und chirurgischen Notfällen im Kindesalter und bei Frühchen. Für alle Mitarbeitenden sind die Kurse kostenfrei.

5. Anwerbung ausländischer Fachkräfte mit Integration in Klinik und Gesellschaft

Da es in Deutschland nicht ausreichend Fachkräfte gibt, setzt die Klinikgruppe EvB auf die Gewinnung von qualifizierten Pflegekräften aus dem Ausland. Kooperationspartner sind u.a. die Berufsfachschulen aus der Ukraine. Zu Beginn stehen eine Einarbeitung und der Einsatz auf den Stationen als Pflegehelfer. Zudem nehmen die ausländischen Fachkräfte an zwei Tagen pro Woche an dem Sprachkurs „Deutsch in der Pflege“ der Volkshochschule im Bildungsforum (VHS) teil.

„Um sich vollumfänglich auf den Spracherwerb konzentrieren zu können, stellen wir als Klinikum Ernst von Bergmann unsere Pflegehelferinnen und Pflegehelfer bezahlt frei. Die Erfolgsquote gibt uns Recht“, erläutert Katrin Fromm das Konzept.

Das Ziel nach der Anpassungsqualifizierung und dem Sprachzertifikat B2 ist die Anerkennungsprüfung, damit die Fachkräfte als examinierte Gesundheits- und Krankenpflegende bzw. Pflegefachpersonen in der Klinikgruppe Ernst von Bergmann arbeiten können. So konnten bis heute bereits 31 ausländische Pflegekräfte integriert werden.

Das Klinikum EvB verstärkt auch hier die Bemühungen, weitere qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und nimmt an dem Projekt “INGA-Pflege Philippinen“ des Bundesgesundheitsministeriums teil - als Modellkrankenhaus für Brandenburg. Im Jahr 2021 sollen so weitere 15 Kolleginnen und Kollegen das Pflegeteam der Klinikgruppe verstärken. Neben einem strukturieren Anpassungs- und Qualifizierungsprogramm wird der Fokus auf Integration in den Betrieb und die Gesellschaft gelegt.

„Den Pflegebereich weiter zu stärken ist eine unserer wichtigsten Aufgaben, der wir uns seit unserem Antritt als Geschäftsführung mit Nachdruck widmen“, so fasst Hans-Ulrich Schmidt zusammen. „Vergleicht man die Anzahl der Vollkräfte im Pflegedienst zwischen 2019 und 2020, so konnten wir trotz Pandemie und Unternehmenskrise 20 zusätzliche Vollkräfte für den Pflegedienst gewinnen. Diese Entwicklung gilt es abzusichern und konsequent fortzuführen.“