Montag, Mittwoch und Freitag – das sind drei Tage in der Woche, die Frank Ulrich fest verplant hat. An jedem dieser Tage verlässt er um kurz nach 06:45 Uhr das Haus und kommt gegen 13:00 Uhr wieder zurück. Auf die Frage, was er in der Zwischenzeit macht, wird er antworten: „Ich gehe quasi zu meiner Arbeit“. Doch Herr Ulrich geht nicht zur Arbeit. Der 60-jährige ist Frührentner und muss bereits seit vier Jahren drei Mal pro Woche zur Dialyse, um sein Blut maschinell zu reinigen. Für eine Nierentransplantation kommt er nicht in Frage.

Lebensader für Patient*innen mit Nierenversagen

Für die Dialyse wird ein Gefäßzugang benötigt, also ein speziell dafür vorbereitetes Blutgefäß, welches bei jeder Sitzung mit einer Kanüle angestochen wird. Der sogenannte „Shunt“ – englisch für Kurzschluss –  stellt bis heute die zuverlässigste und effektivste Methode für den Anschluss an die Dialysemaschine dar. Dazu wird in einem chirurgischen Eingriff eine Gefäßverbindung im Arm zwischen Arterie und Vene angelegt. Ziel dieser Verbindung ist es, einen hohen Blutfluss in die Vene umzuleiten. Der Shunt ist somit die Lebensader für Patient*innen mit Nierenversagen; er lässt sich unter der Haut gut tasten und problemlos mit Kanülen punktieren. 

Wer sich für die Dialyse entscheidet, der heiratet die Gefäßchirurg*innen.

Dr. med. Peter Adeberg, Leiter Shuntzentrum

Shuntverschlüsse werden zum Problem

Herr Ulrich hatte mit seinem ersten Shunt immer wieder Probleme: „Jeder Mensch ist individuell und bei mir hat sich der Shunt leider mehrfach verschlossen. Dabei haben sich Thromben, also Blutverklumpungen, gebildet und das Blut floss nicht mehr durch den Shunt. Woran es lag? Das weiß ich nicht.“ 

In seinem Dialysezentrum in Burg (bei Magdeburg) wird ihm das Shuntzentrum in Potsdam empfohlen. Dort wird im Mai 2023 der Verschluss durch Herrn Dr. med. Peter Adeberg, Leiter des Shuntzentrums, beseitigt und der Shunt mittels einer Gefäßprothese rekonstruiert. Da Dialysepatient*innen auf eine regelmäßige Blutwäsche angewiesen sind, ist ein solcher Verschluss immer ein Notfall, der dringend behandelt werden muss. 

Herr Dr. Adeberg erinnert sich: „Bei Herrn Ulrich kam es zu mehrfachen Verschlüssen des Shunts. Wir haben diesen jedes Mal rekonstruiert, sodass unser Patient wieder zur notwendigen Dialyse gehen konnte. Doch nach dem siebten Verschluss innerhalb von einem Jahr mit immer kürzer werdenden Intervallen, mussten wir umdenken und haben uns gemeinsam für eine Neuanlage entschieden.“ 

Ein weiterer Grund für die Neuanlage war, dass bei jeder Shuntrevision ein Klinikaufenthalt von zwei bis drei Tagen notwendig ist und Herr Ulrich knapp 100 Kilometer entfernt von Potsdam wohnt, was eine zusätzliche Belastung darstellte.  

Ein neuer Shunt wird gelegt

In enger Abstimmung mit dem Departmentleiter der Gefäßchirurgie, Dr. med. Peter Olschewski, wurde nach einer Alternative zum bereits bestehenden Shunt gesucht. „Im Ultraschall zeigte sich die Vena basilica – eine Vene am Oberarm – als geeignet. Dazu ist allerdings ein spezielles operatives Vorgehen notwendig. In einer ersten Operation haben wir im Juli 2024 die Vene und die Arterie am Oberarm miteinander verbunden“, erklärt Herr Dr. Adeberg. Nach einer fünfwöchigen Reifungsphase wurde in einem weiteren Eingriff die Vene vorverlagert, um ein bequemes Punktieren bei der Dialyse zu ermöglichen. 

Herr Dr. Olschewski sagt: „Der erste Shunt von Herrn Ulrich konnte aufgrund der vielen Verschlüsse nicht mehr für die Dialyse punktiert werden. Die Neuanlage ebenfalls noch nicht, da sich diese noch im Reifungsprozess befand und eine vorzeitige Punktion zu ungewollten Blutungen führen könnte. Aus diesem Grund haben wir übergangsweise einen Vorhofkatheter gelegt. Schließlich musste Herr Ulrich weiterhin drei Mal pro Woche zur Blutwäsche. Der Katheter wurde über eine Vene am Hals eingeführt und bis zum rechten Vorhof des Herzens vorgeschoben und konnte für die Dialyse angeschlossen werden.“ Aufgrund der hohen Infektionsgefahr sollte der Vorhofkatheter jedoch nicht länger als maximal sechs Monate im Gefäß bleiben und ist eine absolute Ausnahme. Für Herrn Ulrich sind es anstrengende Wochen, doch er fühlt sich in Potsdam gut aufgehoben: „Der Vorhofkatheter wurde im November entfernt und seither läuft mein neuer Shunt wunderbar.“ Kontrolliert wird dieser nun vom behandelnden Dialysearzt an seinem Wohnort. 

Herr Dr. Adeberg: „Es freut uns sehr, dass die neue Shuntanlage bislang einwandfrei funktioniert und Herr Ulrich wie gewohnt die Dialyse durchführen kann. Nachdem wir ihn im letzten Jahr so häufig in Potsdam behandeln mussten, wünschen wir ihm, dass wir uns zukünftig seltener sehen.“

Positiver Blick in die Zukunft

Herr Ulrich bleibt weiterhin positiv: „Das Leben geht weiter. Man muss sich nur arrangieren. Die Dialyse bedeutet nicht, dass das Leben vorbei ist. Man muss einfach das Beste daraus machen. Eine Alternative gibt es für mich nicht, deswegen gehe ich gerne zur Dialyse. Und der Sommerurlaub auf Rhodos wird einfach um die Dialyse herum geplant“. 

Wir bedanken uns bei Herrn Ulrich vielmals für dieses tolle Gespräch und wünschen ihm weiterhin viel Gesundheit und alles Gute.

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