Eingangsbereich zur Zentralen Notaufnahme des Klinikum Ernst von Bergmann und zur Ärztlichen Bereitschaftspraxis der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg
Erkrankungen des Herzens, der Nieren und des Stoffwechsels treten häufig gemeinsam auf und können sich gegenseitig verstärken. Wie Ärztinnen und Ärzte diese Zusammenhänge noch besser erkennen und Betroffene ganzheitlich behandeln können, stand im Mittelpunkt des ersten Bad Belziger Dreiländer-Treffens. Die Klinik Ernst von Bergmann Bad Belzig hatte dazu am 23. September 2026 medizinische Fachleute aus Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen in den Paulinenhof eingeladen.
Ziel der neuen Veranstaltungsreihe ist es, medizinisches Wissen über Fachgebiete, Einrichtungen und Landesgrenzen hinweg zu teilen. Gerade in ländlich geprägten Regionen sind gut funktionierende Netzwerke wichtig: Sie erleichtern den Austausch zwischen Krankenhäusern, Praxen und weiteren medizinischen Einrichtungen und können dazu beitragen, Patientinnen und Patienten wohnortnah und abgestimmt zu versorgen.
Wenn mehrere Erkrankungen zusammenkommen
Im Mittelpunkt des Treffens standen sogenannte multimorbide Patientinnen und Patienten. Damit sind Menschen gemeint, die gleichzeitig an mehreren, meist chronischen Erkrankungen leiden. So können beispielsweise Übergewicht, Diabetes oder erhöhte Cholesterinwerte die Blutgefäße und das Herz belasten. Eine eingeschränkte Nierenfunktion kann wiederum Herz-Kreislauf-Erkrankungen verschlimmern. Gleichzeitig beeinflussen manche Behandlungen mehrere Organe und Stoffwechselvorgänge.
Für Betroffene bedeutet das: Die einzelnen Erkrankungen sollten möglichst nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Wichtig ist vielmehr eine abgestimmte Behandlung, bei der Ärztinnen und Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen zusammenarbeiten und mögliche Wechselwirkungen im Blick behalten.
„Herz, Niere und Stoffwechsel sind eng miteinander verbunden. Veränderungen an einem Organ können erhebliche Auswirkungen auf den gesamten Körper haben. Deshalb müssen wir Diagnostik und Therapie fachübergreifend denken. Der persönliche Austausch zwischen den behandelnden Kolleginnen und Kollegen ist dafür von großer Bedeutung“, sagt Prof. Dr. med. habil. Markus Tölle, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin an der Klinik Ernst von Bergmann Bad Belzig.
Workshops zu häufigen Volkskrankheiten
In drei Workshops befassten sich die Teilnehmenden mit Adipositas, Diabetes und erhöhten Cholesterinwerten, mit Herzschwäche und chronischen Nierenerkrankungen sowie mit künftigen Möglichkeiten der Diagnostik und Behandlung.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Herzschwäche mit erhaltener Pumpfunktion, in der Fachsprache HFpEF genannt. Bei dieser Erkrankung kann sich das Herz nicht ausreichend mit Blut füllen, obwohl seine eigentliche Pumpkraft zunächst weitgehend erhalten ist. Betroffene leiden häufig unter Luftnot, Erschöpfung und einer eingeschränkten Belastbarkeit. Die Erkrankung tritt oftmals gemeinsam mit Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht oder einer eingeschränkten Nierenfunktion auf.
Neben den medizinischen Fragen diskutierten die Teilnehmenden, wie die Versorgung über Länder- und Einrichtungsgrenzen hinweg besser vernetzt werden kann. Auch die Rolle regionaler Gesundheitszentren wurde beleuchtet. Sie können insbesondere außerhalb großer Städte dazu beitragen, ambulante und stationäre Angebote enger miteinander zu verbinden.
Austausch soll fortgesetzt werden
Mit dem Dreiländer-Treffen möchte die Klinik Ernst von Bergmann Bad Belzig eine regelmäßig stattfindende Plattform für den medizinischen und gesundheitspolitischen Dialog etablieren. Neben Fachleuten aus Bad Belzig wirkten Referenten aus Magdeburg, Berlin und Stahnsdorf an der Auftaktveranstaltung mit.
„Eine gute Versorgung endet nicht an der Grenze eines Landkreises, eines Bundeslandes oder einer einzelnen Einrichtung. Mit dem Dreiländer-Treffen möchten wir Menschen und medizinische Expertise dauerhaft zusammenbringen – zum Nutzen der Patientinnen und Patienten in unserer Region“, so Prof. Dr. Markus Tölle.
Die Veranstaltung wurde von der Landesärztekammer Brandenburg mit vier Fortbildungspunkten anerkannt. Zudem bestätigte die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg die Anerkennung als Fortbildung im Rahmen strukturierter Behandlungsprogramme für chronisch erkrankte Menschen.