Eingangsbereich zur Zentralen Notaufnahme des Klinikum Ernst von Bergmann und zur Ärztlichen Bereitschaftspraxis der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg
Die Patientensicherheit ist gewährleistet, das Konzept für die Versorgung gefäßchirurgischer Notfälle greift und in Sachen Shuntzentrum laufen vielversprechende Gespräche mit mehreren geeigneten Kooperationspartnern – mit diesen positiven Nachrichten meldet sich jetzt die Geschäftsführung des Klinikums Ernst von Bergmann zurück. In den letzten Wochen hatte es in der Politik, bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten und in der breiten Öffentlichkeit nach der Schließung der Gefäßchirurgie Verunsicherung gegeben.
„Wir hätten in einigen Aspekten klarer kommunizieren können, und obwohl wir uns im Vorfeld viele Gedanken, vor allem zu der anspruchsvollen Übergangsphase, gemacht haben, hätten wir uns z.B. früher um geeignete Kooperationspartner für die Shuntchirurgie bemühen müssen“, räumt Tomislav Gmajnic, Sprecher der Geschäftsführung und Geschäftsführer für Finanzen, Strategie und Personal, Versäumnisse ein. Das alles habe dazu geführt, dass die Probleme in den Mittelpunkt gerückt sind und der Mehrwert für die Bevölkerung nicht ausreichend sichtbar wird. „Wir stärken unsere Neurochirurgie und die Geburtsmedizin und bieten damit in diesen ohnehin schon hervorragenden Bereichen künftig eine noch bessere Behandlung, z.B. für Schlaganfallpatienten, aber auch Parkinsonerkrankte, Menschen mit Demenzen, Multipler Sklerose und Hirntumoren an.
Und wir werden unser Perinatalzentrum Level 1 so weiterentwickeln, dass Mütter und deren Babys, auch wenn sie z.B. zu früh oder mit Erkrankungen ins Leben starten, weiterhin bestmöglich dabei unterstützt werden – obwohl die Geburtenzahlen durch die Schließung der Geburtsmedizin im St. Josefs-Krankenhaus steigen werden“, fasst Tomislav Gmajnic zusammen. Gefäßchirurgische Patienten werden nun, nur wenige Kilometer entfernt, im St. Josefs-Krankenhaus versorgt. Das Klinikum Ernst von Bergmann hat in den vergangenen Monaten ein Konzept entwickelt, um die Notfallversorgung dieser Erkrankten sicherzustellen und ausreichend gefäßchirurgische Expertise im eigenen Haus zu behalten, um andere Fachabteilungen bei entsprechenden Fragestellungen zeitnah und unkompliziert unterstützen zu können.
So werden perspektivisch wieder bis zu drei gefäßchirurgische Ärztinnen und Ärzte im Klinikum Ernst von Bergmann festangestellt sein. „Das Team in unserer Gefäßchirurgie bestand ursprünglich aus sechs Fachärztinnen und –ärzten, zwei davon sind weiterhin bei uns tätig“, bestätigt Dr. Christian Unzicker, interimistischer Geschäftsführer Klinische Versorgung und Sanierung. Aktuell führe man noch Gespräche und habe allen ehemaligen Mitarbeitenden in diesem Bereich ein Bleibeangebot gemacht. „Sollten wir keinen weiteren unserer bisherigen Oberärzte halten können, was ich nachvollziehen könnte, weil sich das Aufgabenspektrum stark verändert hat, werden wir eine Lösung finden und im Fall der Fälle extern ausschreiben.“
„Unser Konzept greift“, versichert Dr. Christian Unzicker. Das habe die interdisziplinäre Stabilisierungskonferenz bestätigt, bei der sich in der vergangenen Woche interne Expertinnen und Experten verschiedener Fachbereiche auf Wunsch des Aufsichtsrates zwei Tage lang noch einmal intensiv mit allen Themen rund um gefäßmedizinische Notfallversorgung, Schnittstellen zu anderen Fachkliniken und der Shuntversorgung befasst hatten. „Wir setzen unseren am 1. August 2026 gestarteten Rufdienst in Kooperation mit dem St. Josefs-Krankenhaus fort. Damit stellen wir sicher, dass im Notfall innerhalb von maximal 30 Minuten ein Gefäßchirurg bei uns im OP steht - rund um die Uhr, an jedem Tag der Woche.
Diese Rufbereitschaft habe auch im Fall des Patienten funktioniert, der Ende August in der Notaufnahme des Klinikums verstorben sei. „Unser Mitgefühl ist bei den Angehörigen“, sagt Dr. Christian Unzicker. Nach umfangreicher interner Aufarbeitung sehe man zum jetzigen Zeitpunkt keinen Zusammenhang mit der Schließung der Gefäßchirurgie. „Die Patientensicherheit steht an erster Stelle. Wir brauchen absolute Gewissheit und maximale Transparenz. Deshalb haben wir eine externe Begutachtung beauftragt.“
Neben der Notfallversorgung stand auch die Zukunft des Shuntzentrums auf der Agenda der Stabilisierungskonferenz. Hier wurde die Frage aufgebracht, ob man ein solches Zentrum nicht erhalten solle. „Diesen Weg können wir nicht einschlagen, da wir die entsprechenden OP-Kapazitäten dringend für die Stärkung der Neurochirurgie, der Gynäkologie und Geburtsmedizin und einiger anderer Fachbereiche mit Wachstumspotential benötigen“, erläutert Dr. Christian Unzicker. Stattdessen strebe man die Kooperation mit einem oder mehreren Kooperationspartnern für das elektive Einsetzen der Shunts am Beginn einer langfristigen Dialysebehandlung an.
„Dialysepatientinnen und -patienten sind im Klinikum Ernst von Bergmann nach diesem kleinen externen, meist ambulanten Eingriff bei unserem Chefarzt für Nephrologie, Endokrinologie, Diabetologie und allgemeine Innere Medizin, Prof. Dr. Saban Elitok, weiterhin in allerbesten Händen. „Einer der Gefäßchirurgen, die wir bei uns beschäftigen werden, wird auf Abruf für den OP-Einsatz und für die Behandlung von Komplikationen bei Dialysepatienten bereitstehen, so dass wir im Notfall direkt und ohne Zeitverlust handeln können.“