Kardiologie
Behandlung der Herzkranzgefäße und Herzklappen
Herzkatheterlabor
Katheterinterventionelle Behandlung der Herzkranzgefäße in einem unserer Herzkatheterlabore
In unseren Räumlichkeiten stehen zur katheterinterventionellen Behandlung der Herzkranzgefäße und Herzklappen zwei moderne Herzkatheterlabore zur Verfügung. Eines davon mit zwei Röntgenröhren, um bei der Untersuchung den Kontrastmittelverbrauch so gering wie möglich zu halten und somit auch Patient*innen mit einer eingeschränkten Nierenfunktion sicher behandeln zu können.
Herzkatheteruntersuchung (ambulant / stationär)
Nahezu alle unsere Herzkatheteruntersuchungen erfolgen primär ambulant. Vor der eigentlichen Herzkatheteruntersuchung erfolgen eine kardiologische Voruntersuchung sowie ein Vorgespräch mit Aufklärung über den geplanten Eingriff.
Während einer Herzkatheteruntersuchung wird zunächst ein dünner, speziell geformter Kunststoffschlauch („Katheter“) über die Arm- oder Leistenarterie bis zum Herzen vorgebracht. Über diesen Katheter wird dann Kontrastmittel in die Herzkranzgefäße injiziert und die Gefäße unter Röntgendurchleuchtung dargestellt. Die Untersuchung mit Darstellung der linken und rechten Herzkranzarterie dauert in etwa 20 Minuten.
Sollte bei Ihnen lediglich eine diagnostische Herzkatheteruntersuchung erfolgen (also ohne Aufdehnung), wird die Punktionsstelle durch einen komprimierenden Verband (Armarterie) oder ein Gefäßverschluss-System (Leistenarterie) versorgt. Nach einem Zugang über die Leiste halten Sie anschließend in aller Regel für vier Stunden Bettruhe und können das Krankenhaus a noch am gleichen Tag wieder verlassen.
Im Falle einer behandlungsbedürftigen Engstelle an den Herzkranzgefäßen kann unmittelbar im Anschluss an die diagnostische Herzkatheteruntersuchung die Gefäßaufdehnung (Dilatation) mit Einsatz einer Gefäßstütze (Stent) oder Behandlung mit einem medikamentenbeschichteten Ballon vorgenommen werden. Sollte in Ihrem Fall eine solche Aufdehnung notwendig sein, bleiben Sie für eine Nacht zur Überwachung im Krankenhaus. Bei mehreren Engstellen erfolgt in der Regel die Behandlung einer Engstelle pro Sitzung.
Bei einem Zugang über die Armarterie ist eine Bettruhe nicht zwingend notwendig. Bei einem Zugang über die Leistenarterie können Sie bei einem unauffälligen Befund nach drei bis sechs Stunden wieder aufstehen. Die Einstichstelle sollten jedoch für 24 Stunden geschont werden.
Bild der linken Herzkranzgefäße mit einer gering- bis mittelgradigen Engstelle im ersten Drittel des Vorderwandgefäßes
Bild einer rechten Herzkranzarterie ohne Engstelle
Sollte sich während der diagnostischen Herzkatheteruntersuchung herausstellen, dass bei Ihnen eine behandlungsbedürftige Engstelle der Herzkranzgefäße vorliegt (über 90 Prozent Einengung oder Nachweis einer Minderdurchblutung in der Druckdrahtmessung oder einem nicht-invasivem Verfahren) kann diese in gleicher Sitzung durch unsere Herzspezialist*innen mittels Ballon aufgeweitet und ggf. mit einer Gefäßstütze („Stent“) oder einem medikamentenbeschichteten Ballon („DCB“, „Drug coated Ballon“) endversorgt werden. Hierzu wird ein sehr dünner Führungsdraht (Durchmesser 0,36 mm) über einen speziellen Behandlungskatheter in das betreffende Herzkranzgefäß eingebracht. Die zur Behandlung verwendeten Ballons und Stents werden dann über diesen Führungsdraht zur betreffenden Engstelle vorgebracht und entfaltet.
Bei schwer verkalkten Engstellen, steht unserem Team die Möglichkeit von Hochdruckballons, speziellen „Schneideballons“ („Cutting/ Scoring-Ballons“) und der Rotabalation oder Artherektomie (diamantbeschichteter Mikrobohrer bzw. Fräser) zur Verfügung um zuletzt eine erfolgreiche Aufdehnung und Stentimplantation zu ermöglichen.
Akuter Herzinfarkt der rechten Herzkranzarterie vor der Stentimplantation
Akuter Herzinfarkt der rechten Herzkranzarterie nach Stentimplantation
Die bedrohlichste Form der koronaren Herzerkrankung ist der Akute Herzinfarkt. Hier kommt es auf dem Boden einer kleinen Verletzung der Gefäßinnenwand zu einer Bildung eines Blutgerinnsels welches das Herzkranzgefäß vollständig verschließt. Um eine dauerhafte Schädigung des Herzmuskels und eine nachfolgende Herzschwäche zu vermeiden, muss eine sofortige Wiedereröffnung des Infarktgefäßes mittels Ballondilatation und ggf. Stentimplantation erfolgen. Hierfür steht Ihnen an sieben Tage der Woche für 24 Stunden ein Team aus erfahrenen interventionellen Kardiolog*innen zur Verfügung. Die Nachbetreuung erfolgt zunächst auf einer unserer Intensivstationen und im Folgenden auf unserer kardiologischen Normalstation. Danach wird Ihnen durch unseren Sozialdienst ein Platz in einer Anschlussheilbehandlung vermittelt.
Messung der fraktionellen Flussreserve (FFR)
In einigen Fällen kann allein aufgrund des Röntgenfilmes keine genaue Aussage über die Behandlungsbedürftigkeit einer Engstelle getroffen werden. Da sich in den letzten Jahren herausgestellt hat, dass lediglich Engstellen behandelt werden sollten, die einen relevanten Einfluss auf die Durchblutung des Herzens haben, erfolgt bei unklaren Befunden eine Vermessung der Engstelle mittels Druckdrahtmessung („FFR“ oder „RFR“). Hierbei wird ein spezieller Druckmessdraht hinter die Engstelle vorgebracht und der Blutdruck hinter Engstelle mit dem Blutdruck vor der Engstelle verglichen. Mit dieser schmerzlosen Methode kann die Relevanz einer Engstelle sehr genau gemessen und die entsprechende Therapie (Aufdehnung/ Stentimplantation bzw. medikamentöse Therapie) eingeleitet werden.
Diagnostik der koronaren Mikrozirkulation
Nicht wenige Menschen berichten über Herzschmerzen („Angina pectoris“) obwohl sich in der diagnostischen Herzkatheteruntersuchung keine Auffälligkeiten bzw. Engstellen als Ursache der Beschwerden finden. Hier liegt die Ursache der Beschwerden möglicherweise nicht auf dem Boden einer Engstelle der „großen“, außen auf dem Herz liegenden Herzkranzgefäße sondern im Bereich der in den Herzmuskel eindringenden, winzigen Endäste der Herzkranzgefäße (den „Kapillaren“). Auch diese winzigen Gefäßausläufer können verengt sein, oder zu „Verkrampfungen“ und damit Engstellungen neigen (Vasopasmus). Eine schmerzlose Funktionsmessung dieser Kapillaren zur Feststellung einer eventuellen Fehlfunktion (Coronare mikrovaskuläre Dysfunktion, CMD) kann bei Notwendigkeit in unseren Herzkatheterlaboren erfolgen. Da dies in der Regel in Kombination mit einem zusätzlichen Test auf Gefäßverkrampfungen („Vasopasmen“) einhergeht, erfolgt diese Messung in der Regel an einem gesonderten Termin.
Darstellung des Längs- und Querschnittes der Vorderwandarterie mittels optischer Kohärenztomographie (OCT)
Zur weiteren genauen Beurteilung, insbesondere der Gefäßwand der Herzkranzarterien, stehen in unseren Herzkatheterlaboren zwei bildgebende Verfahren zur Verfügung: Ein laserlichtbasiertes Verfahren (optische Kohärenztomographie, OCT) sowie ein ultraschallbasiertes Verfahren (intravaskulärer Ultraschall, IVUS). Beide Verfahren werden bei entsprechender Indikation, insbesondere während komplexer Behandlungen der Herzkranzgefäße, angewendet um die Engstellen zu charakterisieren und die Entfaltung des Stents zu kontrollieren.
Platzierter PFO-Okkluder in typischer Position. Oben rechts die Sonde der tranösophagealen Echokardiographie
Ein Schlaganfall, also ein plötzlich auftretender Verschluss einer Arterie im Gehirn, ist eine lebensbedrohliche Situation. Häufig äußert sich dies durch plötzlichen Verlust der Kraft eines Arms oder eines Beins oder aber zum Beispiel dem Verlust des Sprachvermögens. Gerade bei jungen Patient*innen liegt die Ursache eines solchen Schlaganfalls häufig im Bestehen einer Kurzschlussverbindung zwischen rechtem und linkem Herzvorhof. Über diesen können Blutgerinnsel, die normalerweise unbemerkt in der Lunge „herausgefiltert“ werden, vom rechten ins linke Herz und damit ins Gehirn gelangen. Durch einen kurzen katheterinterventionellen Eingriff, lässt sich diese Kurzschlussverbindung mittels eines kleinen Schirmchens („Okkluder“) effektiv verschließen und das Risiko eines erneuten Schlaganfalls dem der Normalbevölkerung angleichen. Das Schirmchen wird über eine große Leistenvene unter echokardiographischer Kontrolle (mittels transösophagelaer Echokardiographie, „Schluckecho“) platziert und auf korrekten Sitz kontrolliert.
Platzieren des Vorhofohrokkluders unter transösophagealer Echokardiographie
Vorhofohrokkluder unterschiedlicher Größen
Bei Vorliegen bestimmter Herzrhythmusstörungen (insb. Vorhofflimmern/ Vorhofflattern) ist zur Vorbeugung eines Schlaganfalls eine Blutverdünnung mittels bestimmter Medikamente notwendig. Obwohl die blutverdünnenden Medikamente in der Regel sehr sicher sind, kann es zu Blutungen im Rahmen der Blutverdünnung kommen, die eine Fortführung der Medikation unmöglich machen. In einem solchen Fall kann zur Vorbeugung eines Schlaganfalls ein kleines Schirmchen in das linke Vorhofohr (die anatomische Struktur, in der die meisten Blutgerinnsel entstehen) eingebracht werden, das Vorhofohr verschließen und die Gerinnselbildung verhindern.
Der Eingriff erfolgt minimalinvasiv über eine große Beinvene und unter echokardiographischer (mittels transösophagelaer Echokardiographie, „Schluckecho“) Kontrolle. Der Verschluss verankert sich fest im Vorhofohr und wächst innerhalb von etwa drei Monaten vollständig ein.
Aortenklappenprothese für einen minimal-invasiven Aortenklappenersatz
Die häufigste Erkrankung der Herzklappen stellt die Verengung der Hauptschlagaderklappe (die „Aortenklappenstenose“) dar. Eine hochgradig eingeengte Herzklappe kann entweder mittels offener Operation oder minimal-invasiv über die Leistenarterie ersetzt werden. In diesem Fall arbeiten wir eng mit den Kolleg*innen des Sana Herzzentrum in Cottbus zusammen. Welches Verfahren (operative oder minimal-invasiv) bei Ihnen angewendet wird, wird im gemeinsamen Herzteam entschieden.
Platzieren eines Pascal®-Clips zur Behandlung einer Mitralklappeninsuffizienz
Unterschiedlich große Carillon®-Spangen zur Behandlung der Mitralklappeninsuffizenz
Die Mitralklappeninsuffizienz (Undichtigkeit der Herzklappe zwischen linkem Herzvorhof und linker Herzkammer) ist nach der Verengung der Hauptschlagaderklappe (Aortenstenose) die zweithäufigste behandlungsbedürftige Herzklappenerkrankung in Europa. Diese Undichtigkeit äußert sich durch Luftnot oder Schwellungen bzw. Wassereinlagerungen der Beine („Ödeme“). Sollte sich eine solche Klappenundichigkeit als behandlungsbedürftig erweisen, stehen in unserem Haus zwei Möglichkeiten der Behandlung zur Verfügung.
- Zum einen kann durch unsere Spezialist*innen in Vollnarkose eine Art Klammer (der „Pascal“) im Bereich der größten Undichtigkeit der Mitralklappe platziert werden. Um ein optimales Ergebnis zu garantieren, erfolgt der Eingriff unter dauerhafter echokardiographischer Kontrolle mittels transösophagealer Echokardiographie („Schluckecho“), sodass eine punktgenaue Platzierung des Clips sichergestellt ist.
- Als Alternative bietet sich bei einigen Patient*innen die Möglichkeit, die Klappeninsuffizienz mittels einer Carillon-Spange zu behandeln. Diese Spange wird über die rechte Halsvene in die große Herzvene (den „Sinus Coronarius“) vorgebracht und gespannt. Dadurch verkürzt sich der hintere Anteil des Halteapparats der Mitralklappe und es kommt zu einer Verminderung der Mitralklappeninsuffizienz. Der Vorteil dieses schonenden Verfahrens liegt darin, dass anschließend keine Blutverdünnung nötig ist.
Welches der Verfahren bei Ihnen zum Einsatz kommt, wird nach Sichtung aller Befunde im gemeinsamen Herzteam entschieden.
Auch die rechte Vorhof-Kammer-Klappe, die sogenannte Trikuspidalklappe, kann eine klinisch relevante Undichtigkeit aufweisen. Diese äußert sich in der Regel durch Luftnot, geschwollene Beine („Unterschenkelödeme“) oder einen Blutrückstau in die Leber oder die Niere was mit einer Einschränkung der entsprechenden Organfunktion einhergehen kann. Seit einigen Jahren besteht auch für diese Klappe die Möglichkeit einer Clipbehandlung und damit Reduktion der Undichtigkeit. Auch diese Therapie erfolgt mit dem „Pascal-System“ in Vollnarkose und Kontrolle mittels „Schluckecho“ um ein punktgenaues Platzieren des Clips (in diesem Fall meist zwei bis 3 Clips) zu ermöglichen.
Sollte aufgrund der Morphologie oder einer zu großen Beschädigung der Klappe eine Therapie mittels eines clipbasierten Verfahrens nicht möglich sein, stehen wir in engem Kontakt zum Herzzentrum der Charité (DHZC), wo den dortigen Kolleg*innen weitere Therapiemöglichkeiten (z.B. vollständiger katherbasierter Ersatz der Mitral- oder Trikuspidalklappe zur Verfügung stehen.