Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Mikrochirurgie, Handchirurgie
Rekonstruktive Lymphchirurgie
In der spezialisierten Sprechstunde für rekonstruktive (wiederherstellende) Lymphchirurgie betreuen und behandeln wir Patient*innen mit chronischem Lymphödem in jedem Stadium der Erkrankung mit vielfältigen operativen Verfahren. Durch unsere langjährige mikrochirurgische Expertise und den Einsatz moderner Operationsmikroskope, die eine exakte Darstellung der Lymphbahnen mittels ICG-Farbstoff ermöglichen, bieten wir unseren Patient*innen eine reproduzierbare Behandlungsqualität.
Eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit, insbesondere in der präoperativen Bildgebung des Lymphsystems, ermöglicht es uns, maßgeschneiderte Therapiepläne zu erstellen. Während der Sprechstunde führen wir zunächst eine ausführliche Untersuchung und weiterführende Diagnostik durch, um den aktuellen Zustand des Lymphsystems genau zu erfassen. Basierend auf diesen Erkenntnissen entwickeln wir einen individuellen, stadiengerechten Therapieplan. Unser Ziel ist es, durch gezielte operative Eingriffe das chronische Leiden der Betroffenen langfristig zu lindern und die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.
Das Lymphödem
Ein Lymphödem ist eine chronische Erkrankung und entsteht durch einen gehinderten Abfluss der Lymphflüssigkeit aus der betroffenen Region. Es gibt zwei Arten von Lymphödemen: das angeborene (primäre) und das erworbene (sekundäre) Lymphödem. Das sekundäre Lymphödem entsteht durch Eingriffe, Unfälle oder Infektionen, die das Lymphsystem schädigen. Ein sekundäres Lymphödem entsteht häufig, wenn Lymphknoten bei einer Operation oder Strahlentherapie entfernt oder geschädigt werden, z.B. nach Brustkrebsoperationen, bei denen Lymphknoten aus der Achsel entfernt werden.
Durch ein geschädigtes Lymphgefäßsystem sammelt sich bei einem Lymphödem Flüssigkeit im Gewebe an, was zu Schwellungen, Spannungsgefühlen und Schmerzen führt. Bei länger bestehendem Lymphödem kommt es zur Verhärtung des Gewebes und einer Zunahme des Fett- und Bindegewebes in der betroffenen Region. Zudem sind die Betroffenen sind anfälliger für Infektionen, wie z.B. Wundrosen (Erysipele). Diese Beschwerden schränken die Lebensqualität und oft auch die Arbeitsfähigkeit erheblich ein.
Eine frühzeitige und gezielte Behandlung ist wichtig, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Behandlungsoptionen
Zunächst besteht die Behandlung des chronischen Lymphödems aus konservativen Maßnahmen, wie Kompressionsbehandlung und manuelle Lymphdrainage, um die Lymphflüssigkeit zu mobilisieren und Symptome zu lindern. Falls die Verfahren der konservativen Therapie keine ausreichende Linderung erzielen, kann eine operative Therapie erwogen werden. Die operativen Möglichkeiten werden in rekonstruktive (wiederherstellende) und in ablative (resezierende) Verfahren unterteilt. Bei den rekonstruktiven Verfahren ist das Ziel, wieder einen Lymphabfluss zu schaffen, indem die Lymphflüssigkeit umgeleitet wird. Das ablative Verfahren umfasst die Absaugung des erkrankten Fettgewebes (Liposuktion) der betroffenen Extremität. Alle operativen Maßnahmen werden ergänzt durch die konservative Therapie.
Eine lymphovenöse Anastomose (LVA) ist eine in supermikrochirurgischer Technik unter dem Mikroskop geschaffene Verbindung zwischen einem gestauten Lymphgefäß und einer oberflächlichen Hautvene. Ziel des Verfahrens ist der Aufbau eines alternativen Lymphdrainageweges. Ein Abfluss der gestauten Lymphflüssigkeit kann durch die LVA erfolgen, da der Druck in den sehr kleinen Venen geringer ist, als im erkrankten Lymphgefäß. Der Eingriff ist minimal-invasiv über sehr kleine Hautschnitte.
Bei dieser Technik werden Lymphknotenpakete aus der Leiste, von der seitlichen Rumpfwand oder aus dem Bauch mit ihrer eigenen Blutversorgung entnommen und auf die erkrankte Extremität transplantiert. An der Entnahmestelle werden ausreichend Lymphknoten belassen, um dort die Entwicklung eines Lymphödems auszuschließen. Um das Risiko für ein Lymphödem an der Entnahmestelle weiter zu minimieren, färben wir die für die Extremität wichtigen Lymphbahnen und –knoten an, damit sie vor Ort belassen werden („reverse mapping“).
Die transplantierten Lymphknoten bilden langfristig an der Empfängerstelle Anschlüsse an die ortständigen Lymphgefäße und verbessern somit den Lymphabfluss der betroffenen Extremität. Zudem sind Lymphknoten selbst natürliche lymphovenöse Anastomosen, die die Lymphflüssigkeit aus ihrer Umgebung aufnehmen und ins venöse System leiten. Dieses Phänomen kann zu einer direkten Befundverbesserung nach der Operation führen.
Neben der Verbesserung des Lymphabflusses funktionieren die transplantierten Lymphknoten als immunaktives Gewebe und senken somit die Gefahr und Frequenz von Wundrosen (Erysipel) im betroffenen Gebiet.
Bei fortgeschrittenen Lymphödemen besteht nicht nur ein gestörter Lymphabfluss, sondern auch eine Volumenzunahme der betroffenen Extremität, ausgelöst durch eine Fettzellhypertrophie (Vergrößerung der Fettzellen und Fibrose (Vernarbung, Verhärtung) im Gewebe. Dadurch sind rekonstruktive (wiederherstellende) Verfahren häufig nicht mehr erfolgsversprechend. In diesen Fällen kann der Gewebeüberschuss chirurgisch durch eine Liposuktion (Fettabsaugung) entfernt werden. Eine gezielt durchgeführte Liposuktion kann den Umfang der Extremität der gesunden Gegenseite angleichen und so die Form und Ästhetik des Patienten wiederherstellen. Nach der Liposuktion muss allerdings in der Regel die Kompressionsbekleidung lebenslang Tag und Nacht getragen werden, um ein erneutes Anschwellen der Extremität zu vermeiden.
Welche Therapieoption die richtige Wahl für Ihre individuelle Situation ist, lässt sich nicht allgemein sagen. Es sollte immer eine ausführliche Beratung mit Fachärzt*innen für Plastische- und Rekonstruktive Chirurgie mit mikrochirurgischer Expertise erfolgen. Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Klinikum Ernst von Bergmann gewährleisten wir eine optimale Versorgung mit bestmöglicher Rehabilitation und somit Erleichterung im Alltag sowie Verbesserung von Lebensqualität.