Psychiatrie und Psychotherapie
Gedächtnissprechstunde
Die Gedächtnissprechstunde ist eine Spezialsprechstunde für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen. Als kognitive Beeinträchtigungen bezeichnet man Lern- und Gedächtnisstörungen, Störungen der Aufmerksamkeit und Konzentration, Einschränkungen der Orientierung sowie der flexiblen Planung und Ausführung von Handlungen. Diese können mit dem Alter zunehmen und vielfältige Ursachen haben. Neben unterschiedlichen demenziellen Erkrankungen können auch neurologische Erkrankungen (wie z.B. Parkinson, Epilepsie, Multiple Sklerose), internistische Erkrankungen (wie z.B. Schilddrüsen- Stoffwechselerkrankungen, Infektionskrankheiten) oder auch psychische Erkrankungen (wie z.B. Depression) zu kognitiven Beeinträchtigungen führen. Eine Abklärung von leichten kognitiven Beeinträchtigungen ist wichtig, um diese frühzeitig zu erkennen und die Ursachen festzustellen sowie Behandlung zu beginnen und Hilfsmöglichkeiten zu organisieren. Ein frühzeitiges Handeln kann helfen, den Verlauf von Gedächtnisstörungen positiv zu beeinflussen, Alltagskompetenzen zu fördern und Lebensqualität so lang wie möglich zu erhalten.
In der Gedächtnissprechstunde arbeitet ein Team von Psychiater*innen, Neurolog*innen, Neuropsycholog*innen, Sozialarbeiter*innen und Pflegekräften zusammen. Neben einer ausführlichen Untersuchung wird eine differenzierte Diagnostik durchgeführt, über Therapie- und Hilfsmöglichkeiten wird umfassend informiert. Die Gedächtnissprechstunde bietet auch ausreichend Raum für gezielte Fragen sowie Beratung und Aufklärung für Patient*innen und deren Angehörige.
Leistungen der Gedächtnissprechstunde
- Ausführliche Anamnese
- Körperliche, neurologische und psychiatrische Untersuchung
- Neuropsychologische Screenings
- Ausführliche neuropsychologische Diagnostik
- Bestimmung von Blut- und Liquorwerten
- Bildgebende Diagnostik
- Bei Bedarf Ergänzung des ambulanten Diagnostikprogramms um eine weitere spezielle Diagnostik im Rahmen eines stationär-neurologischen Aufenthalts
- Auswertung und diagnostische Einordnung der Befunde
- Ausführliche Information und Aufklärung über die Diagnose
- Umfassende Beratung über medikamentöse, nichtmedikamentöse und psychosoziale Behandlungsmöglichkeiten
- Gruppentherapeutische Angebote
- Ausführliche sozialmedizinische Beratung von Patient*innen und Angehörigen
- Vermittlung an Beratungsstellen, Pflegestützpunkten, Selbsthilfegruppen, etc.
Die Gedächtnissprechstunde ist ein spezialisiertes Angebot für Menschen, die kognitive Beeinträchtigungen bei sich selbst oder ihren Angehörigen feststellen.
Die Zuweisung in die Gedächtnissprechstunde erfolgt über die Haus- oder Fachärzt*innen. Von Vorteil ist es, wenn der aktuelle Medikamentenplan sowie Vorbefunde und die Befunde der Bildgebung zur Verfügung gestellt werden.
Die Kosten werden bei gesetzlich Versicherten von der Krankenkasse übernommen, sofern nicht parallel eine weitere psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung erfolgt. In diesem Fall muss die ambulante psychiatrische und/oder psychotherapeutische Behandlung für die Quartale der Behandlung in der Gedächtnissprechstunde pausiert werden. In Einzelfällen kann bei der Krankenkasse eine psychiatrisch-psychotherapeutische Parallelbehandlung durch die Patient*innen beantragt werden.
Die Patient*innen melden sich telefonisch, per E-Mail und/oder persönlich in der Gedächtnissprechstunde an. Sie erhalten zunächst mehrere Fragebögen mit der Bitte diese auszufüllen und an uns zurück zu schicken. Die Fragebögen sind notwendig, um wichtige Informationen vor dem ersten Gespräch zu erhalten und den Erstkontakt zu planen. Nach Eingang der Fragebögen wird mit den Patient*innen und bei Wunsch gemeinsam mit den Angehörigen telefonisch ein erster Termin vereinbart. Beim ersten Termin erfolgen neben einer umfangreichen Anamnese die körperliche und psychiatrische Untersuchung sowie eine Blutentnahme. Die weiterführende Diagnostik wird mit den Patient*innen besprochen. Es folgen in der Regel zwei weitere Termine zur neuropsychologischen Diagnostik sowie Befundbesprechung und Beratung. Bei Bedarf werden weitere Termine angeboten.
Die Gedächtnissprechstunde der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am KEvB arbeitet im Rahmen des „Gedächtnis-Check“ eng mit der Klinik für Neurologie des KEvB zusammen. Weiterhin sind wir im engen Austausch mit den niedergelassenen Kolleg*innen der Haus-und Facharztpraxen. Wir stehen im regelmäßigen Kontakt mit den regionalen Beratungsstellen, Pflegestützpunkten, Trägern, die spezifische Hilfen anbieten, und auch der Alzheimergesellschaft des Landes Brandenburg.
Die Gedächtnissprechstunde ist Mitglied im „Deutschen Netzwerk Gedächtnisambulanzen“ (DNG) und nimmt regelmäßigm an den Netzwerktreffen der Berliner und Brandenburger Gedächtnissprechstunden teil.
Der „Gedächtnis-Check“ wird im Rahmen einer erweiterten stationär-neurologischen Abklärung angeboten. Im besonderen Fokus liegen Patient*innen mit frühen kognitiven Beeinträchtigungen, bei denen es Hinweise auf eine neurologische Erkrankung gibt (z.B. Schlaganfall, Normaldruckhydrocephalus, Parkinson) sowie komplexe oder rasch progrediente Fälle. Im Rahmen der Diagnostik werden u.a. kernspintomographische oder nuklearmedizinische Untersuchungen, ApoE4-Bestimmung, Spinal-Tap-Test, logopädisches Aphasie-Screening oder elektrophysiologische Untersuchungen (z.B. EEG) durchgeführt. Die Befunde und daraus resultierende Behandlungsempfehlungen werden anschließend zurück an die Gedächtnissprechstunde oder den einweisenden Arzt/Ärztin geschickt, die die Befundauswertung und weitere Beratung und ggf. Behandlung übernehmen.
Unser Angebot zum Nachlesen
Suchtmedizinische Sprechstunde
Patienten, die unter einer Abhängigkeitserkrankung oder einem missbräuchlichen Konsum leiden, können sich in der suchtmedizinischen Sprechstunde vorstellen. Neben einer diagnostischen Ersteinschätzung erfolgt eine umfassende Beratung über Behandlungs- und Unterstützungsmöglichkeiten.
Terminvereinbarung
Termine können in der PIA unter 0331 241-37525 oder pia1@klinikumevb.de vereinbart werden.
Weitere Spezialsprechstunden
Spezialsprechstunden wie z.B. Angststörungen, Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Autismus-Spektrumstörungen sind im Aufbau.