Eingangsbereich zur Zentralen Notaufnahme des Klinikum Ernst von Bergmann und zur Ärztlichen Bereitschaftspraxis der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg
Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen, depressive Symptome oder starke emotionale Belastungen: Viele Menschen, die an Post-Covid oder ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom) leiden, kämpfen nicht nur mit körperlichen Beschwerden, sondern auch mit erheblichen psychischen Folgen ihrer Erkrankung. Um Betroffene gezielt zu unterstützen, startet das Klinikum Ernst von Bergmann Ende Mai 2026 eine neue psychotherapeutische Spezialsprechstunde in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie.
Das Angebot richtet sich an Patientinnen und Patienten mit diagnostiziertem Post-Covid-Syndrom oder ME/CFS, die zusätzlich psychische Beschwerden entwickelt haben – etwa depressive Symptome, Ängste, Schlafprobleme oder sogenannte „Brain Fog“-Symptome mit Konzentrations- und Gedächtnisstörungen.
ME/CFS gilt als schwere neuroimmunologische Erkrankung, die häufig mit extremer körperlicher Erschöpfung einhergeht. Viele Betroffene erleben bereits nach geringer Belastung eine deutliche Verschlechterung ihres Zustands. Fachleute sprechen dabei von „Post-Exertional Malaise“ (PEM). Schätzungen zufolge sind in Deutschland mehrere hunderttausend Menschen betroffen – viele davon seit einer Covid-19-Erkrankung.
„Die Erkrankung verändert oft das gesamte Leben der Betroffenen – beruflich, sozial und emotional“, erklärt Dr. Christian Kieser, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Ernst von Bergmann. „Viele Patientinnen und Patienten erleben einen massiven Verlust an Lebensqualität und fühlen sich mit ihrer Situation allein gelassen. Mit der neuen Spezialsprechstunde möchten wir eine zusätzliche Unterstützung anbieten, die die psychischen Belastungen ernst nimmt und individuell begleitet.“
„Viele Betroffene erleben nicht nur körperliche Einschränkungen, sondern auch eine große Verunsicherung im Alltag und im Umgang mit ihrer Erkrankung“, ergänzt Alexandra Jaek, leitende Psychotherapeutin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie sowie therapeutische Leitung der Psychiatrischen Institutsambulanz am Klinikum Ernst von Bergmann. „Deshalb ist es wichtig, die psychischen und emotionalen Belastungen ernst zu nehmen und Betroffene mit individuell angepassten therapeutischen Angeboten zu begleiten. Unser Ziel ist es, gemeinsam Wege zu finden, die im Alltag entlasten und den Umgang mit der Erkrankung erleichtern können.“
Die psychotherapeutische Spezialsprechstunde versteht sich ausdrücklich als ergänzender Bestandteil der komplexen Behandlung von Post-Covid- und ME/CFS-Erkrankungen. Im Mittelpunkt stehen psychologische und psychotherapeutische Unterstützungsangebote, die individuell an die Belastbarkeit und die Symptomatik der Betroffenen angepasst werden.
Zum Angebot gehören unter anderem psychiatrisch-psychotherapeutische Diagnostik, strukturierte Gespräche, standardisierte Fragebögen sowie – je nach Bedarf – psychotherapeutische oder medikamentöse Behandlungsansätze. Darüber hinaus unterstützt das Team die Patientinnen und Patienten beim sogenannten „Pacing“, also einem gezielten Energie- und Belastungsmanagement, das helfen soll, Überlastungen und Verschlechterungen zu vermeiden.
„Gerade bei ME/CFS ist es wichtig, die individuellen Grenzen der Belastbarkeit ernst zu nehmen“, betont Dr. Christian Kieser. „Unser Ziel ist nicht, Betroffene zu überfordern, sondern gemeinsam Strategien zu entwickeln, die Stabilität, Selbstfürsorge und Lebensqualität fördern.“ Ergänzend sind unter anderem Telefon- und Videosprechstunden möglich, um auch schwer betroffenen Patientinnen und Patienten Unterstützung anbieten zu können.
Zudem besteht die Möglichkeit zur Teilnahme an Psychoedukationsgruppen, in denen Wissen über die Erkrankung, den Umgang mit Symptomen sowie alltagspraktische Strategien vermittelt werden. Auch integrative Verfahren wie die NADA-Akupunktur können zur Entspannung und Stressreduktion eingesetzt werden. Für die Potsdamer Bevölkerung bedeutet das neue Angebot eine zusätzliche spezialisierte Anlaufstelle für eine Erkrankung, die viele Menschen vor große Herausforderungen stellt und bislang oft mit langen Wartezeiten oder fehlenden Versorgungsstrukturen verbunden ist.
Eine Terminvereinbarung ist ausschließlich über das Online-Patientenportal des Klinikums möglich. Voraussetzung ist eine Überweisung durch eine Hausärztin beziehungsweise einen Hausarzt oder eine Fachärztin beziehungsweise einen Facharzt sowie möglichst bereits vorliegende medizinische Vorbefunde. Die Spezialsprechstunde ist in der Psychiatrischen Institutsambulanz des Klinikums Ernst von Bergmann in der Behlertstraße 45a in Potsdam angesiedelt.