Nicht nur ein Schönheitsmakel: Der Weg raus aus dem Schmerz
Symbolbild Lipödem
Adobe Stock dstudio
Mia Prinz ist gerade einmal 19 Jahre alt, als sie zum ersten Mal eine seltsame Veränderung an ihrem Körper bemerkt. Ihr Oberkörper und ihre Beine scheinen einfach nicht zusammenzupassen – etwas fühlt sich falsch an.
Doch was sie damals noch nicht wusste: Dieses Ungleichgewicht ist kein Zufall, sondern stiller Vorbote einer weit verbreiteten, aber wenig bekannten Krankheit: dem Lipödem.
Das Lipödem ist eine atypische, symmetrische Fettverteilungsstörung, die fast ausschließlich Frauen betrifft. Sie sorgt dafür, dass sich Fett an den Beinen und Armen ansammelt – eine Veränderung, die weit mehr mit Hormonen als mit Ernährung oder Bewegungsmangel zu tun hat. Tatsächlich leiden fast zehn Prozent aller Frauen an dieser Krankheit, die sich meist in hormonellen Umbruchsphasen wie Pubertät, Schwangerschaft oder Menopause bemerkbar macht.
Das Lipödem: Einteilung in drei Stadien
Abbildung der 3 Stadien des Lipödems.
Adobe Stock – © Susana SAV
Die Krankheit wird in drei Stadien eingeteilt: Von fein knotenartigem Gewebe im Anfangsstadium bis hin zu groblappigem Gewebe in der schwersten Form. Doch die Gesellschaft versteht das oft falsch: Es sind nicht Disziplinlosigkeit oder Faulheit, die für die Fettansammlungen verantwortlich sind – sondern eine unterschätzte Erkrankung, die zu oft zu spät erkannt wird. Was für viele wie eine kosmetische Veränderung wirkt, entpuppt sich als der Beginn eines langen, oft unsichtbaren Kampfes gegen eine Krankheit, die weit mehr ist als nur „ein paar Pfunde zu viel“. Zunächst schiebt Frau Prinz ihre Beobachtungen beiseite, doch die Zweifel wachsen. Irgendetwas passt einfach nicht. Sie beginnt im Internet zu recherchieren, bis sie schließlich eine Ärztin in Berlin aufsucht. Dort erhält sie die Diagnose: Lipödem – und das bereits in einem sehr frühen Stadium.
Die Ärztin warnt, dass sich die Symptome verschlimmern könnten. Und tatsächlich: Mit der Zeit werden die Beine von Frau Prinz immer empfindlicher, selbst kleine Stöße verursachen Schmerzen.
Mutige Entscheidung
Mit gerade einmal 25 Jahren trifft Frau Prinz eine mutige Entscheidung: Sie will nicht länger mit den quälenden Schmerzen leben, die ihr jeder Schritt, jede Berührung bereitet. „Die Schmerzen sind wie Druckwellen, die durch meine Oberschenkel ziehen“, beschreibt sie ihre Beschwerden.
Schon eine spielerische Berührung kann zu einem stechenden Zwicken werden. Stundenlanges Sitzen wird zur Qual – denn dann schwellen ihre Beine unangenehm an. Bewegung ist nicht nur eine medizinische Empfehlung, sondern aktuell die einzige Methode zur Linderung der Beschwerden: Fahrradfahren, Spazierengehen, jede Form von Aktivität reduziert die Schmerzen und gibt ihr ein Stück Lebensqualität zurück.
Vorstellung bei PD Dr. Mojtaba Ghods
Über ihre Familie wird sie auf PD Dr. Mojtaba Ghods, einen erfahrenen Spezialisten in Bad Belzig, aufmerksam. PD Dr. Ghods ist Experte und Pionier auf dem Fachgebiet des Lipödems und war mit seinem Studienzentrum in Bad Belzig maßgeblich an der bundesweiten LIPLEG-Studie des G-BA beteiligt. Anfang Juli betritt Frau Prinz seine Praxis – und sofort ist für den Arzt klar: „Frau Prinz zeigt eindeutige Symptome eines Lipödems, mindestens Stadium 1, möglicherweise schon Stadium 2.“
„Die konservativen Methoden sind wichtig, doch die Liposuktion, also der chirurgische Eingriff, ist oft der einzige Weg, um den Betroffenen wirklich Erleichterung zu verschaffen. Dabei werden die krankhaft veränderten Fettzellen gezielt entfernt, was zu einer spürbaren Schmerzreduktion führt. Wichtig zu erwähnen ist: Das Lipödem ist eine Erkrankung, die nicht geheilt werden kann.“
Priv.-Doz. Dr. med. Mojtaba Ghods, Chefarzt der Klinik für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Mikrochirurgie, Handchirurgie
„Ich kann und will nicht mehr so leben.“
Doch der Weg für Frau Prinz ist noch lang. Zuerst steht eine präzise Diagnostik in der Klinik für Angiologie an, der Termin ist bereits vereinbart. Sobald das genaue Stadium feststeht, startet die konservative Therapie mit Kompressionsstrümpfen und Lymphdrainage. „Sollte sich nach sechs Monaten keine Besserung einstellen, werden wir gemeinsam die Liposuktion als nächsten Schritt angehen“, erklärt PD Dr. Ghods. Neben der medizinischen Behandlung spielt auch die Ernährung eine entscheidende Rolle bei der Linderung der Schmerzen. So hat Frau Prinz bereits ihre Ernährung grundlegend umgestellt: Milchprodukte weitestgehend reduziert und auf ausreichend Flüssigkeit geachtet. „Wenn ich weniger trinke, spüre ich sofort mehr Schmerzen in den Beinen“, sagt sie.
Unsere Patientin Mia Prinz blickt trotz der Erkrankung am Lipödem hoffnungsvoll in die Zukunft.
Für Frau Prinz ist dieser Weg ein Hoffnungsschimmer: „Noch vor ein paar Jahren hätte ich mich niemals auf eine Operation eingelassen. Aber mit meinen 25 Jahren und dem täglichen Schmerz, den ich kaum mehr ertrage, ist das für mich die einzige Option.“ Sie ist bereit: „Ich kann und will nicht mehr so leben.“
Auch wenn sie gelernt hat, mit dem Lipödem zu leben, schränkt die Erkrankung ihren Alltag ein. Kurze Hosen im Sommer tragen? Nicht immer einfach. Schwimmbadbesuche hat sie manchmal sogar bewusst gemieden. Doch sie bleibt kämpferisch und selbstbewusst: „Wir sind alle schöne Mädchen, auch wenn wir nicht aussehen wie aus dem Bilderbuch.“
Mit einem entschlossenen Lächeln fügt sie hinzu: „Ich kann es nicht ändern, aber ich kann es beeinflussen.“
Wir wünschen Frau Prinz für Ihren weiteren Behandlungsweg alles Gute und danken für das tolle und vor allem so ehrliche Gespräch.