Patientengeschichte: Eine schnelle Diagnose ist überlebenswichtig – Verhalten bei einer Sepsis
Flur in der Zentralen Notaufnahme
Am frühen Morgen des 24. Oktober 2024, gegen 5:00 Uhr,bringt der Rettungsdienst eine 38-jährige Patientin in die Zentrale Notaufnahme des Klinikum EvB. Der Grund für den Notruf: Die junge Frau hat zu Hause plötzlich das Bewusstsein verloren und ist dabei mit dem Kopf gegen eine Badewannen-Armatur geprallt. In der Regel nicht lebensbedrohlich. Eigentlich.
Erste Untersuchungen in der Zentralen Notaufnahme
Neben den Schmerzen am Kopf, verursacht durch den Aufprall, zeigt die Patientin ein beunruhigendes Symptombild: ausgeprägte Gliederschmerzen, Schüttelfrost, hohes Fieber – klassische Warnzeichen einer systemischen Infektion. Für den erfahrenen Notfallmediziner Prof. Dr. Oppert, Chefarzt des Zentrums für Notfall- und Internistische Intensivmedizin, ist sofort klar: Hier zählt jede Minute.
„Die Patientin kam in einem hochkritischen Zustand zu uns. Wir mussten rasch handeln.“
Prof. Dr. Oppert, Chefarzt des Zentrums für Notfall- und Internistische Intensivmedizin
Bandbreite möglicher Diagnosen ist bei diesem Fall enorm
Innerhalb weniger Minuten beginnt das Notfallteam mit einer umfassenden Diagnostik. Ein EKG soll zeigen, ob das Herz betroffen ist. Mit Ultraschallbildern wird geprüft, ob innere Organe in Mitleidenschaft gezogen wurden. Dabei wird auch das Herz selbst mithilfe einer speziellen Untersuchung genau unter die Lupe genommen. Um Verletzungen durch den Sturz auszuschließen, wird ein CT des Kopfes durchgeführt. Angesichts der grippeähnlichen Symptome folgt routinemäßig ein Corona-PCR-Test, während eine umfangreiche laborchemische Analyse parallel nach den Ursachen des kritischen Zustands sucht – darunter Entzündungsparameter, Blutbild und Gerinnungswerte. Noch ist unklar, was genau den dramatischen Zustand ausgelöst hat. Doch das Team ist alarmiert: Es könnte sich um weit mehr als eine kurze Ohnmacht und Sturz handeln. Die Bandbreite möglicher Diagnosen ist bei diesem Fall enorm: Von einer harmlosen Ohnmacht bis hin zu lebensbedrohlichen Erkrankungen wie einer Aortendissektion, einer Lungenembolie oder eben einer schweren Infektion ist vieles denkbar. Die Herausforderung an das Team des Zentrums für Notfall- und Internistische Intensivmedizin besteht darin, inmitten dieser komplexen Differentialdiagnosen die entscheidende Spur zu finden – und schnell die richtige Therapie einzuleiten.
Diagnose: Sepsis – eine hochgefährliche Blutvergiftung
Nach intensiven Untersuchungen können zuerst eine Lungenembolie und eine Corona-Erkrankung ausgeschlossen werden. Stattdessen zeigte sich im Blutbild die erschütternde Diagnose: eine Sepsis – eine hochgefährliche Blutvergiftung, die binnen Stunden lebenswichtige Organe lahmlegen kann. „Eine Sepsis ist ein medizinischer Notfall. Ohne schnelle und gezielte Behandlung kann sie tödlich enden“, erklärt Prof. Oppert. „Eine Sepsis zu diagnostizieren ist oft schwierig, weil die Symptome unspezifisch und anfangs leicht mit anderen Erkrankungen zu verwechseln sind. Fieber, Schüttelfrost, Schwäche, Verwirrtheit oder niedriger Blutdruck können auch bei vielen anderen Krankheiten auftreten. Außerdem entwickelt sich eine Sepsis manchmal schleichend, ohne klare Hinweise auf eine Infektionsquelle – wie auch in diesem Fall. Es erfordert daher viel klinische Erfahrung, gezielte Diagnostik und ein hohes Maß an Aufmerksamkeit, um eine Sepsis rechtzeitig zu erkennen – was entscheidend für das Überleben der Betroffenen ist.“ Umgehend wird die Patientin auf die Intensivstation verlegt und mit einer hochdosierten intravenösen Antibiotikatherapie begonnen, um den Erreger zu bekämpfen. Zusätzlich erhält sie Volumenersatz zur Stabilisierung des Kreislaufs und eine Überwachung der Organfunktionen. „Die ersten Stunden waren entscheidend“, sagt Prof. Oppert.
Schnelle Verlegung auf die Normalstation
Bereits nach zwei Tagen hatte sich der Zustand der Patientin soweit verbessert, dass diese auf die Normalstation verlegt und wenige Tage später aus dem Klinikum entlassen wurde. Nach der schnellen Diagnosestellung, konnte das interdisziplinäre Team des Zentrums für Notfall- und Internistische Intensivmedizin zudem den wahrscheinlichen Auslöser für die Sepsis identifizieren: Die Patientin wurde wenige Tage zuvor an einer lang unentdeckten Darmentzündung ärztlich behandelt. Durch den interventionellen Eingriff könnten Keime in den Blutkreislauf der Patientin gelangt sein und die Sepsis ausgelöst haben.
Erfolgreiche Behandlung dank interdisziplinärem Team
Diese besondere Patientengeschichte zeigt eindrücklich, wie entscheidend schnelle, strukturierte und interdisziplinäre Notfallmedizin im Kampf gegen lebensbedrohliche Erkrankungen wie die Sepsis ist. Nur durch das reibungslose Zusammenspiel verschiedener Fachbereiche rund um die Uhr – von der Notfall- über die Intensiv- bis hin zur Labormedizin und Radiologie – konnte die richtige Diagnose gestellt, die Infektionsquelle identifiziert und die zielgerichtete Therapie sofort begonnen werden. Die erfolgreiche Behandlung unterstreicht die Bedeutung eines eingespielten interdisziplinären Teams, das auch unter hohem Zeitdruck fundierte medizinische Entscheidungen trifft – zum Wohle aller Patient*innen.
Pespektivwechsel – der Blick auf die Ereignisse aus der Sicht unserer Patientin:
„Die Erkrankung an der Sepsis kam für mich total überraschend. Gerade noch war ich gesund und hatte einen vermeintlich kleinen Eingriff am Darm hinter mich gebracht. Doch mir ging es zunehmend schlechter. Anfänglich dachte ich, dass ich an einer Corona-Infektion litt. Als ich dann im Badezimmer ohnmächtig wurde war klar, dass ich umgehend ärztliche Hilfe brauche. Ich bin dankbar, dass wir den Rettungswagen gerufen haben, denn mein Zustand verschlechterte sich schnell.
Bereits mit meiner Aufnahme in der Zentralen Notaufnahme habe ich eine sehr professionelle und einfühlsame Betreuung erfahren. Mir wurde jede Behandlung, jede Untersuchung verständlich erklärt, und ich konnte jederzeit Fragen stellen. Die Kombination aus fachlicher Kompetenz und menschlicher Nähe hat mir deutlich gezeigt, wie wichtig ein gut funktionierendes Team in solchen Momenten ist. Auch meine Familie wurde regelmäßig über meinen Gesundheitszustand informiert, was ich als sehr positiv empfand, besonders angesichts des oft hektischen Klinikalltags. Darüber hinaus wurde mein Hausarzt in die weitere medizinische Betreuung einbezogen, sodass ein umfassender Austausch zu meiner Diagnose und Behandlung möglich war. Besonders in Erinnerung bleibt mir mein 39. Geburtstag, den ich auf der Intensivstation verbrachte. Die Pflegefachkräfte überraschten mich mit Kerzen. Eine Geste, die mir viel bedeutet hat. Trotz der schwierigen Situation fühlte ich mich nie allein.
Das Team aus Ärztinnen, Ärzten und Pflegefachkräften war jederzeit für mich da, mit unglaublicher Geduld, Wärme und Kompetenz. Sie haben mir das Gefühl gegeben, gut aufgehoben und sicher zu sein. Heute, einige Monate später, blicke ich dankbar zurück. Diese Erfahrung hat mir deutlich gemacht, wie wichtig es ist, auf den eigenen Körper zu achten und frühzeitig medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ohne das engagierte Team der Notaufnahme und Intensivstation möchte ich mir gar nicht vorstellen, wie es mit mir weiter gegangen wäre. Dafür bin ich unendlich dankbar.“
Überraschung auf der Intensivstation: zum 39. Geburtstag hat unsere Patientin Kerzen von den Pflegefachkräften erhalten.
Privat
Wir bedanken uns bei der Patientin vielmals für dieses tolle Gespräch und wünschen ihr weiterhin viel Gesundheit und alles Gute.