Potsdam, 16. April 2026

Dr. med. Bernhard Fleischer, Leitender Oberarzt Zentrale Notaufnahme, erklärt den Schüler*innen den Schockraum der Zentralen Notaufnahme.

Die Schüler*innen durften den Schockraum der Zentralen Notaufnahme besichtigen.

Jugendliche Autofahrer sind im Straßenverkehr nach wie vor besonders gefährdet: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verunglücken sie etwa doppelt so häufig wie ältere Verkehrsteilnehmer. Jährlich kommen in Deutschland zudem noch immer rund 350 bis 400 junge Menschen im Alter von 15 bis 24 Jahren bei Verkehrsunfällen ums Leben. Vor diesem Hintergrund veranstaltet die Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie des Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam bereits zum sechsten Mal einen sogenannten P.A.R.T.Y.-Tag, um Jugendliche für die Risiken im Straßenverkehr zu sensibilisieren.

Das Akronym P.A.R.T.Y. steht für „Prevent Alcohol and Risk-Related Trauma in Youth“ und ist ein bundesweites Unfallpräventionsprogramm. Ziel der Aktion ist es Verkehrsunfälle zu vermeiden, indem Jugendliche über riskantes Verhalten im Straßenverkehr aufgeklärt werden. Dazu besuchten am Donnerstag 31 Schülerinnen und Schüler einer 11. Klasse des Hannah-Arendt-Gymnasiums aus Potsdam das Klinikum EvB und erlebten hautnah, welche „Stationen“ schwerverletzte Patient*innen innerhalb der Klinik durchlaufen.

Portraitfoto Prof. Dr. med. Gerrit Matthes

„Bereits zum sechsten Mal haben wir eine Schulklasse in unser Klinikum eingeladen, da es uns ein großes Anliegen ist, die Jugendlichen über die Risiken im Straßenverkehr aufzuklären. Das Unfallpräventionsprogramm ist dabei ein ideales Instrument, um die Anzahl schwerverletzter Jugendlicher deutlich zu senken.“

Prof. Dr. med. Gerrit Matthes, Chefarzt der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie

Als zertifiziertes überregionales Traumazentrum ist seine Klinik auf die Versorgung schwerverletzter Patientinnen und Patienten spezialisiert. Täglich kümmert sich das Team um Unfallverletzte. Das Aufgabengebiet umfasst die Erstversorgung der Patient*innen im Notarztwagen oder im Rettungshubschrauber und anschließend in der Zentralen Notaufnahme. Darauf folgen chirurgische Eingriffe, an die eine stationäre Behandlung anschließt. Die Weiterbehandlung erfolgt dann im Bereich der Physiotherapie und Rehabilitation.

Ablauf und Eindrücke P.A.R.T.Y.-Tag

Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Matthes, durchlief die Klasse in drei Gruppen mehrere Stationen und erfuhr dadurch, wie ein Unfallverletzter im Krankenhaus versorgt wird. Abgerundet hat den Tag die Schilderung einer ehemaligen Traumapatientin, die von ihrem Verkehrsunfall sowie ihren Erfahrungen nach insgesamt acht Operationen erzählte.

„Als ich von dem Projekttag im Klinikum erfahren habe, wusste ich sofort, dass ich unbedingt gemeinsam mit meiner Schulklasse daran teilnehmen möchte. Die unmittelbare Erfahrung, Einblicke in die Zentrale Notaufnahme und die Intensivstation zu bekommen, lässt sich durch reinen Frontalunterricht nicht ersetzen,“ sagt Herr Püschel, Lehrkraft des Hannah-Arendt-Gymnasiums.

„Einen Schockraum von innen zu sehen, war total interessant und hat mir einen Bereich gegeben, den ich so nicht noch einmal sehen möchte“, sagt Leonard, Teilnehmer des P.A.RT.Y.-Tags. Für David war der Besuch der einzelnen Stationen interessant und erschreckend zugleich: „Die Vorträge und besonders die Führung durch das Klinikum haben mir viele neue Eindrücke vermittelt. Zum ersten Mal auf einer Intensivstation zu stehen, war für mich ein ziemlich bedrückendes Erlebnis.“ „Der Tag insgesamt war äußerst spannend und lehrreich – wir konnten Einblicke gewinnen, die uns sonst wohl verborgen geblieben wären“, fügt Leonard hinzu.

Ursprung und Grundgedanke von P.A.R.T.Y.

Im Jahr 1986 entwickelte eine kanadische Krankenschwester der Notfallambulanz in Toronto die Grundidee des hier vorgestellten Programms. Sie wollte Schülerinnen und Schüler an den Ort holen, wo sich Menschen täglich um schwerverletzte Unfallopfer kümmern. Die jungen Verkehrsteilnehmenden sollten sehen und miterleben, was es heißt, die körperlichen und seelischen Folgen eines schweren Unfalls zu verarbeiten. Ziel dieses Aktionstages ist es, junge Menschen dabei zu unterstützen, gefährliche Risikosituationen zu erkennen und sachkundige Entscheidungen zu treffen. Dabei soll das Risikobewusstsein der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gestärkt werden und sie sollen mehr Verantwortung für ihre eigenen Entscheidungen und ihr eigenes Handeln übernehmen – um ihre eigene Gesundheit und die anderer zu schützen. Im Jahr 2011 wurde P.A.R.T.Y. erstmals in Deutschland durchgeführt. Seit 2012 läuft das Programm unter dem Dach der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und die Organisation der bundesweiten Umsetzung obliegt der Akademie der Unfallchirurgie (AUC).