Gruppenbild im Rahmen der Zertifizierung des Lungenkrebszentrums
Das Lungenkrebszentrum des Klinikum Ernst von Bergmann wurde erstmalig durch die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) zertifiziert. Diese Auszeichnung steht als Indikator für eine hohe fachliche Kompetenz, strukturierte interdisziplinäre Zusammenarbeit der Fachgebiete sowie eine exzellente Versorgungsqualität in Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Lungenkrebserkrankungen.
„Es freut mich außerordentlich, dass unser Lungenkrebszentrum erfolgreich von der DKG zertifiziert wurde“, sagt MUDr. Mahmoud Ismail, Leiter des Lungenkrebszentrums und Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie. „Mein herzlicher Dank gilt allen Kolleginnen und Kollegen, die außergewöhnlich engagiert und mit hoher fachlicher Kompetenz als Team zu diesem Erfolg beigetragen haben.“
Für eine erfolgreiche Zertifizierung als Lungenkrebszentrum ist eine Verzahnung zahlreicher behandelnder Fachdisziplinen, insbesondere der Thoraxchirurgie, der Pneumologie, der Strahlentherapie und der Onkologie notwendig. Das Lungenkrebszentrum am Klinikum EvB bietet diese moderne medizinische Versorgung und begleitet Betroffene von der Früherkennung der Lungenkrebserkrankung und während des gesamten Behandlungsverlaufs. Das Zentrum wird durch die DKG in regelmäßigen Abständen überprüft, um sicherzustellen, dass die hohen Standards in der Behandlung von Lungenkrebs kontinuierlich erfüllt werden.
Lungenkrebs eine der häufigsten Krebsarten in Deutschland
Mit rund 57.000 Neuerkrankungen jährlich zählt Lungenkrebs zu den häufigsten Krebsarten in Deutschland. Rauchen gilt als wesentlicher Risikofaktor. Prof. Dr. med. Hartwig Schütte, Chefarzt der Klinik für Pneumologie und Beatmungsmedizin und stellvertretender Leiter des Lungenkrebszentrums, erklärt: „Nach wie vor wird Lungenkrebs häufig erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert – vor allem deshalb, weil er in der Frühphase kaum Symptome verursacht.“ Dabei gilt: Je früher ein Lungenkarzinom erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen.
In regelmäßigen Tumorkonferenzen kommen erfahrenen Fachkolleg*innen aus Thoraxchirurgie, Pneumologie, Onkologie, Strahlentherapie, Radiologie, Nuklearmedizin, Pathologie, Psychoonkologie und Palliativmedizin zusammen. Dabei wird jeder Patientenfall mit Blick auf die Größe des Tumors, die molekulargenetischen Eigenschaften, die Operabilität und Ausdehnung im Körper diskutiert und abgewogen, um ein individuell abgestimmtes, leitliniengerechtes Therapiekonzept zu entwickeln. „Dabei spielen körperliche Ressourcen und Bedürfnisse des Patienten für eine Therapie eine maßgebliche Rolle“ erläutert Zentrumskoordinator Dr. med. Matthias Paland.
Als schonende Alternative zur Thoraxchirurgie kann bei kleinen, früh entdeckten Herden jedoch auch die ablative Strahlentherapie (stereotaktische Körperstrahlentherapie, SBRT) in Betracht gezogen werden. Diese hochpräzise Form der Bestrahlung ermöglicht es, Tumorgewebe mit hohen Dosen gezielt zu zerstören und dabei das umliegende gesunde Lungengewebe weitgehend zu schonen. Besonders für Patient*innen, die aufgrund von Begleiterkrankungen ein erhöhtes Operationsrisiko tragen oder eine Operation ablehnen, stellt die SBRT eine effektive und gut verträgliche Behandlungsoption dar.
Neben Operation und Strahlentherapie ist eine medikamentöse Behandlung des Lungentumors eine wichtige Behandlungsoption. Wissenschaftliche Ansätze der Immuntherapie ermöglichen ein breites Spektrum von „Immuntherapeutika“, die den Tumor durch gezielte Aktivierung des körpereigenen Immunsystems bekämpfen und die klassischen Chemotherapieverfahren ergänzen. Diese Innovationen können Krankheitsverläufe bei Patient*innen mitunter in einem Ausmaß verlängern, die früher nicht denkbar waren, und erhalten dabei wertvolle Lebensqualität.
Diese innovativen immunonkologischen Therapien werden neben klassischen Therapiestandards angewandt und die Patient*innen engmaschig von spezialisierten Ärzt*innen ambulant betreut. „Dabei gilt ein besonderes Augenmerk auch der umfassenden Behandlung der Nebenwirkungen der Krebstherapien als Teil der sogenannten Supportiven Therapie. Hierzu gehören neben medikamentösen Ansätzen zur Linderung der Nebenwirkungen auch ergänzende Angebote, wie psychoonkologische Betreuung, Schmerztherapie, Ernährungsberatung, Sozialdienst und physiotherapeutische Unterstützung“, erklärt Prof. Dr. med. Karin Jordan, Leiterin des Onkologischen Zentrums und Chefärztin für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin.
Ein wichtiger Schritt nach vorne: Lungenkrebsscreening wird Kassenleistung
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat entschieden, in diesem Jahr ein bundesweites Lungenkrebsscreening-Programm als strukturiertes Früherkennungsprogramm einzuführen. Damit wird ein bedeutender Meilenstein in der Krebsprävention erreicht.
Über die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG)
Die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) ist die größte wissenschaftlich-onkologische Fachgesellschaft in Deutschland. Die DKG setzt sich für die Förderung der Krebsforschung, die Weiterbildung von Fachkräften sowie die Entwicklung von Behandlungskonzepten auf höchstem medizinischem Niveau ein. Darüber hinaus spielt sie eine zentrale Rolle in der Zertifizierung von Krebszentren und sorgt dafür, dass standardisierte und qualitätsgesicherte Therapieangebote für Krebspatient*innen zur Verfügung stehen.